Ein brisanter Dauerbrenner wurde anlässlich der Veranstaltung „Leadership Revisited“ in einem interessanten Vortrag aufgegriffen: Es ist ein immer noch weit verbreiteter Irrglaube, dass man Herz und Hirn bei Businessentscheidungen – oder auch bei Entscheidungen ganz generell – trennen muss beziehungsweise trennen kann.

„Sie glauben, Sie urteilen rational? Geht gar nicht!“ trifft die Vortragende den Nagel auf den Kopf. Die subjektive Dimension bei der Entscheidungsfindung ist nicht auszuschalten.

Dass der Mensch mit der hohen Erwartung an die eigene Rationalität – vor allem in ökonomischen Zusammenhängen – schwer überfordert ist, weiß man längstens. Seit den bahnbrechenden Arbeiten Daniel Kahnemann’s zu Urteilsheuristiken (Faustregeln) und kognitiven Verzerrungen ist es evident, dass der menschliche Umgang mit Wahrscheinlichkeitsrechnung, selektiver Wahrnehmung, kognitiver Informationsverarbeitung und Entscheidungsfindung alles andere als rational ist. Und doch schwingt bei jeder Entscheidung die Erwartung mit, dass man doch bitte logische  (=rationale) Entscheidungen treffen möge!

„Glaub‘ nicht alles, was Du weißt“ wäre also ein sinnvoller Hinweis zum Umgang mit der eigenen Subjektivität. Nahezu jegliches „rationale“ Argument, das im Innbrunstton der Überzeugung vorgetragen, eine Entscheidung verteidigen oder legitimieren soll, kommt aus den zutiefst persönlichen subjektiven Glaubenssystemen und der individuellen Persönlichkeit des Entscheiders. Diese Argumente können beliebig aufgenommen werden und es ist genauso gut möglich, mit Fug und Recht das Gegenteil zu behaupten.

Der Ankauf eines völlig überteuerten technischen Gadgets wird durch die von dem Käufer wirklich wahrgenommene besonderen Qualität der technischen Ausgereiftheit und Funktionalität als Schnäppchen legitimiert. Unsere Sinne, die selektive Wahrnehmung und „fehlerhafte“ (=subjektive) Informationsverarbeitung liefern uns die Argumente für eine vernünftige Entscheidung.

Also auch zutiefst emotionale, private oder persönliche Themen wie zum Beispiel die Partnerwahl oder – eben auch der Kauf eines technischen Gadgets – können logischen, vernunftbetonten Argumenten unterzogen werden, alle Für‘s und Wider‘s in einer Entscheidungsmatrix aufgelistet und gewichtet werden. Wozu dieser Aufwand? Wir tragen unsere Vernunft wie ein Feigenblatt vor uns her und fühlen uns nur dann wohl, wenn Entscheidungen rational und logisch begründbar sind.

Und es darf auch ruhig mal gesagt werden: eine begrenzt rationale Entscheidung muss gar nicht irrational sein! Eine vernünftige Entscheidung hilft den Zweck zu erfüllen und hängt von der Perspektive und Intention des Entscheiders ab. Ob sie objektiv rational ist oder nicht, spielt eine nachgelagerte Rolle.

Wenn Sie wissen wollen, wie Sie Ihre Entscheidungsperformance verbessern, nachhaltige Entscheidungen mit mehr Zufriedenheit treffen können, kommen Sie in die Entscheidungswerkstatt.