Teil 2 unserer neuen Serie:

Die besten Praxis-Tipps bei Jobverlust und beruflichen Krisen!

Abschied nehmen

Ich habe im ersten Teil meiner Praxistipps bei Jobverlust darüber geschrieben, dass jeder Mensch bei so einer ungeplanten Veränderung seiner beruflichen Situation wie es eine Kündigung oder ein Jobverlust eben ist, die Phasen der Trauer- oder Veränderungskurve durchläuft.

Nicht alle Menschen erleben das als massiven Schock, jedoch bei den meisten Menschen sind viele verschiedene Gefühle involviert. Zuerst sind manche noch recht gelassen und dissoziiert, aber dann kommt es oft auch zu massiven Wellen von Ärger, Wut und Zorn; Kränkung, weil man sich ungerecht behandelt fühlt: “warum muss ich gehen und jemand anderer darf bleiben?”
Unbedankt für den vielen Aufwand, den man jahrelang auf sich genommen hat, steht man plötzlich alleine da. Vor allem Menschen, die sehr stark identifiziert sind mit dem Job oder der Marke, für die sie gearbeitet haben, erleben es fast so als würden sie von der Familie verstoßen werden.

Manchmal stellt sich aber auch ein Gefühl der Erleichterung ein: man ist plötzlich nicht mehr verantwortlich, für das was in der Firma passiert. Oft erlebt man im Vorfeld von Kündigungen lange Phasen von sehr anstrengenden Change-Prozessen und plötzlich fällt diese Spannung ab.

Aber auch die eigene wahrgenommene Unbedeutendheit ist ein Problem: „eben hatte ich noch „wichtige“ Aufgaben zu erledigen, heute ist es scheinbar egal, wer das zukünftig machen wird.“
Die Ambivalenzen von all diesen Gefühlen – positive wie negative – ergeben oft einen heftigen Cocktail und die Betroffenen sind hin- und her-gebeutelt. Der Umgang mit diesem Gefühlsmix ist schwierig, auch weil wir es in unserer Kultur immer noch als ungewöhnlich oder unpassend erleben, im Business mit Gefühlen konfrontiert zu sein.

Man ist um eine professionelle Haltung bemüht, aber vor allem darf niemand sehen, dass man getroffen ist, dass man schwach ist. Es ist fast so, als könnte man dem Gegner den Sieg streitig machen, wenn man die eigene Schwäche verbergen kann. Mit der Frage „was werden die Nachbarn sagen?“ ist man gefühlsmäßig sehr nah dran am eigenen Scheitern.

Als Beraterin habe ich oft schon erlebt, dass aber auch das Zulassen von positiven Gefühlen schwierig ist. „Ich habe meinen Job verloren! Wie kann es mir jetzt gut gehen?“ Die eigene Erleichterung wahrnehmen zu dürfen, aus dem anstrengenden Hamsterrad draußen zu sein, die Freude über die Freizeit, endlich wieder ausschlafen, Sport, Hobbies, Zeit für Entspannung und die Familie – all das darf jetzt wieder mehr genossen werden.

Negative und positive Gefühle: beides ist wichtig!

Es ist notwendig, sich mit den negativen Gefühlen zu konfrontieren. Das mutige Ein- und Durchtauchen, also die emotionale Öffnung hin zu einer Einstellungsänderung muss gelingen, sonst besteht die Gefahr dass es zu einer Verneinungsschleife*) kommt.

Leider habe ich das in der Beratung schon oft beobachtet: Menschen, die sich um das „Tal der Tränen“ herumschummeln, nicht den Mut fassen sich ihren Gefühlen zu stellen, alles verdrängen oder laufend zwischen Verneinung, Rationalisierung hin und herpendeln, viel zu lange mit diesen unaufgelösten Gefühlen kämpfen.

Wenn man zu einem späteren Zeitpunkt wieder an dem Thema Jobverlust anstreift, ist man oft mit noch immer heftigen Gefühlen konfrontiert. Das Erlebnis sitzt oft noch sehr in den Knochen. Da braucht es nicht viel, dass alles wieder hervor bricht.

Das kann sich auch bei der Jobsuche sehr nachteilig auswirken. Wir haben in nahezu jedem Jobinterview die Fragen nach den Trennungsgeschichten. „Warum sind sie nicht mehr in ihrem letzten Job?“ Wer hier mit großer Emotionalität kämpft, hat einen entscheidenden Nachteil beim Interview.

Abschied und Neubeginn

Ich biete meinen KlientInnen im Coaching in solchen Fällen immer an, auf allen Ebenen Bilanz zu ziehen: Was sind die Qualitäten, Erfahrungen, Erlebnisse, Werte, interessante Begegnungen und Freundschaften, die man sich in die eigene Zukunft mitnehmen will. Es ist immer schön zu sehen, wie durch diese Arbeit mit den eigenen Ressourcen – besonders auf der mentalen und emotionalen Ebene – eine spürbare, sofortige Erleichterung eintritt.

Des Weiteren ist es günstig, an dieser Stelle eine klare Entscheidung zu treffen: alles was nicht mehr gut war, allen Ärger und die Probleme, dort in der Vergangenheit zu belassen und sich davon bewusst mental gut zu verabschieden.

Wenn das Abschiednehmen in dieser Form gut gelingt, dann stehen die Zeichen günstig für einen baldigen erfolgreichen Neubeginn: gestärkt und mit allen verfügbaren Ressourcen ausgestattet, klappt die Jobsuche sehr viel besser. Versprochen!

Demnächst im Teil 3: Gekündigt und gut drauf! Was hilft den Übergang zum neuen Job gut zu gestalten.

 

*) siehe Martina Schmidt-Tanger, Change – Raum für Veränderung. 2012.

 

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