Freitag, 27. März 2020, Hausarrest Tag 13

Liebes Tagebuch!

Mir geht den ganzen Tag ein Bild nicht aus dem Kopf: „die Mühen der Ebene….“ So kommt es mir vor, die Gleichförmigkeit des Alltags im Hausarrest. Wir haben uns zu Dritt im Homeoffice halbwegs friktionsfrei eingerichtet, viele Dinge haben sich gut eingespielt.

Woher kommt aber das Gefühl, der Mühe?

Da wir den Luxus haben, über genug Platz, zwei Balkone und einem sonnigen Innenhof zu verfügen, gibt es damit kein Problem. Auch das konzentrierte Arbeiten ist gut möglich.

Die ungewöhnlichen Dinge wie täglich gemeinsam Mittag zu essen, oder am Nachmittag einen gemeinsamen Spaziergang zu machen, haben sich normalisiert und meistens genießen wir diese geschenkten Gelegenheiten. Danke, Corona!

Über Video-Konferenzen und Telefonate gibt es im befreundeten Umkreis der KollegInnen wirklich konstruktive, spannende, inspirierte Gespräche und Diskussionen. Wir befinden uns in einem Klima von vorwärtsgerichteten kreativen Brainstormings und Lets-Do-Mentalität. Es ist viel Miteinander und Solidarität, Neues darf entstehen.

Wir sind auch wirklich bezaubert und reich beschenkt von all den Gratis-Angeboten, die wie Schwammerl aus dem Boden schießen: Podcasts, Hörbücher, Filme, Kabarett-Aufzeichnungen, Konzerte, Vorträge, Videos, Beratung, Coaching, Hilfsdienste, nicht zuletzt Finanzspritzen, …… es ist so viel da, fantastische Möglichkeiten.

Sogar Oma und Opa wurden digitalisiert und es ist wirklich lustig, mehrmals in der Woche im Family-Zoom-Wohnzimmer gemeinsam mit Brüdern, Schwestern, SchwägerInnen, Nichten und Neffen und sonstigen Anverwandten die aktuelle Befindlichkeit zu besprechen. So oft sehen wir uns normal nie.

Menschen, die man ewig nicht gehört und gesehen hat, rufen an und es ist schön zu erleben, welchen Wert alten Freundschaften haben. Irgendwo in der Vergangenheit wieder andocken zu können, die Zeit ist vergangen, aber das Gefühl ist immer noch da.

Also wirklich viele Gründe, im Guten zu bleiben und den Blick auf die Möglichkeiten zu lenken. Warum also das Bild der Mühen der Ebene?

Oder sind wir noch eine Stufe davor: sind es die Mühen der Berge, die wir immer noch nicht gänzlich überwunden haben: die radikale Veränderung des gesamten Lebens, die vielen Fragezeichen, die Ängste über das eigene Einkommen, die Wirtschaftslage allgemein, die Gesundheit, die Angst davor, dass es jemanden erwischen könnte, der einem nahe steht. Die Trauer des Teenagers um abgesagte Sprachreisen, Tanzbewerbe und Theateraufführungen, die fehlende Urlaubsplanung.
Und eine Frage treibt mich auch um: wie werden wir uns in der Zukunft begegnen und berühren?

Eigentlich wurscht, ob die Mühen des Berges oder der Ebene; kalt-warm halt; Abschied-Neubeginn.

Seien wir gespannt, wie das noch weiter geht.

Bis morgen hier in diesem Blog, stay well and stay tuned!