Dienstag, 17. März 2020, Hausarrest Tag 3Big Data

Liebes Tagebuch!

Heute endlich Post von unserem Internet-Provider! Wir erfahren, dass viele Haushalte eine ähnliche Idee hatten wie wir und irgendwas bestellt haben.

Unser Provider geht hier in diesem Schreiben nicht näher auf unsere konkrete Bestellung ein, sondern informiert uns darüber, dass man eine nagelneue Webseite, ausschließlich zu unserer Information, erstellt habe.

Dort könnten wir uns nun brandaktuell über verschiedene Aspekte informieren, die uns im Homeoffice dringend interessieren sollten. Dazu zählt zum Beispiel die Frage, ob unsere Bandbreite für den Betrieb eines Homeoffices überhaupt ausreichen würde.

Wir sind ob dieser umsichtigen Informationspolitik bass erstaunt. Deswegen wundern wir uns nur noch wenig, als uns folgende Information in den Nachrichten erreicht: Eben dieser Telekommunikationskonzern versteht sich nicht nur als zentraler Bestandteil der neuralgischen Kommunikationsinfrastruktur, sondern bietet auch noch weitere sicherheitspolitisch relevante Dienste an: völlig anonymisiert und streng datenschutzrichtlinienkonform kann (und wird) man unser aller Bewegungsdaten vom Handy direkt an die Behörden übermitteln. Da schau her!

Ich nehme an, unser stilles Wundern gilt schon als Zustimmung. Double-opt-in war einmal, China als Vorbild auf der ganzen Linie.

Damit kann unsere kooperative Haltung beim individuellen Erfüllen des Hausarrestes kompetent überprüft werden. Da bei diesen Big-Data-Sachen ja alles streng anonym abläuft, kann die Behörde dann sofort feststellen, dass irgendwer sich nicht an den Hausarrest hält. Sie wissen dann, wo wer ist, aber natürlich nicht, wer wo ist. Aha, beruhigend.

Für die gelernte Österreicherin klingt das alles sehr stimmig. Es gibt eine Regel, und an die muss man sich halten! Alles nur zu unserem Besten. So kann man sogar Menschen wie mich vor ihren (unterdrückten) anarchistischen Tendenzen schützen. Muss ich nicht ins Radar fahren.

Meinem persönlichen Bewegungsprofil ist genauso fad wie meinem Schrittzähler.

Noch zwei weitere interessante Informationen erreichen uns heute:

  1. was wir zum Beispiel überhaupt nicht wussten ist, dass es den Hamburger Alpenverein gibt. und nicht nur das: es gibt Menschen in Hamburg, die können Schifahren. Diese Laune der Natur ist aber nicht ganz so stark verbreitet, wie der Virus, den die lustigen Hanseaten sich direkt in der Aprés Ski Bar in Ischgl eingetreten haben. Dumm gelaufen.
    Der Berg fordert halt seine Opfer, das war schon immer so.
  2. In einer niederösterreichischen Kleinstadt halten Friseure während der Krise offen. Wir wundern uns, aber dann eine erleichternde Vermutung: Man möge sich ein Vorbild nehmen und auch in der Krise weiterhin großen Wert auf sein Äußeres legen. Er hat die Haare schön und auch die Friseure zählen folglich zu den systemrelevanten Dienstleistern.

Es gibt Fleisch, unter dem ich Kohlrabi und Couscous verstecke. Aber immerhin, versöhnlich.

Seien wir gespannt, wie das noch weiter geht.

Bis morgen hier in diesem Blog, stay well and stay tuned!