Mittwoch,18. März 2020, Hausarrest Tag 4 Hund Sackerl

Liebes Tagebuch!

Heute haben wir uns Abwechslung gegönnt, an diesem sonnigen Frühlingstag einfach mal so schnell zwischendurch einen Spaziergang gemacht. Gemeinsam – mein lieber Gatte und ich – am Nachmittag eines “ganz normalen” Arbeitstages.

Aus mehreren Gründen ein ungewöhnliches Gefühl: an einem „normalen“ Arbeitstag gehen wir am Nachmittag eigentlich nie spazieren, schon gar nicht gemeinsam. Entfernt hat mich das Gefühl an „Schule schwänzen“ erinnert, eine prickelnde Mischung aus Freiheit und Anarchie einerseits, und der Angst entdeckt zu werden, andererseits.

Hätten wir einen Hund, wäre dieser Spaziergang natürlich auch in Zeiten wie diesen, ganz legitim. Wir haben aber keinen Hund.

Ich erinnere mich an eine wunderbare Übung im Rahmen eines Trainings, an dem ich mal vor Jahren teilgenommen hatte: die Aufgabe an das Team war es, mit einem imaginären Haustier unterwegs zu sein und Passanten dazu zu bringen, das imaginäre Haustier zu streicheln. Wir haben damals eine oberösterreichische Kleinstadt unsicher gemacht und wahnsinnig viel Spaß gehabt. Fantastisch.

Die Vorstellung, mit einem imaginären Hund unterwegs zu sein, erheitert mich sehr, lenkt aber auch meinen Fokus auf die ungewöhnlich vielen Hundstrümmerln, die hier bei uns im zweiten Bezirk überall rum liegen.

Wir konzentrieren uns auf jeden Schritt und es stellen sich der Nicht-Hundebesitzerin einige neue Fragen:

  • Wurde im Rahmen der Corona-Krise das Hundstrümmerlwegräumgebot außer Kraft gesetzt?
  • Sind die Sackerln ausgegangen?
  • Sind vielleicht die Gackerl-Sackerl das Klopapier-Äquivalent der HundebesitzerInnen-Community?
  • Hat man so eine kleine, diebische Freude, die Trümmerln seines Hundserls einfach liegen zu lassen, nur weil grad keiner schaut?
  • welche Gefühle sind sonst noch involviert?
  • hat es einen Impact auf den Hund? wie fühlt der/die/das sich, wenn Herrchen/Frauchen/Diverschen etwas Verbotenes macht?

Das Kitzeln des Verbotenen, die Hoffnung, nicht entdeckt zu werden, der Thrill etwas zu machen, „was man einfach nicht macht“, die Rache des kleinen Mannes, der kleinen Frau, des kleinen Transgender* am übermächtigen System. Wieder jung und wild sein, so wie beim Schulstangl’n – geht das?

Seien wir gespannt, wie das noch weiter geht.

Bis morgen hier in diesem Blog, stay well and stay tuned!

 

*danke an Gebrüder Moped für diese political-korrekte Aufzählung!