Samstag,21. März 2020, Hausarrest Tag 7

Putzbrigade

Liebes Tagebuch!

Wir nehmen den Auftrag des social distancing sehr ernst und haben unsere Haushaltshilfe gebeten, bis auf weiteres nicht zu uns zu kommen.

Wir mussten abwägen: das Virus-Risiko direkt an unserer Küchenspüle oder selber putzen. Die leicht paranoiden Tendenzen von meinem lieben Gatten haben sich durchgesetzt. No Risk. No fun.

Ich habe mich heute kurz an Studienzeiten erinnert, wo sich anstelle von Lern- und Arbeitsphasen unaufschiebbare Putzprojekte in den Vordergrund gespielt haben. Prokrastination vom Feinsten; jedes Kaffeehäferl muss sofort extra abgewaschen werden und wichtige Dinge werden erledigt: das Gewürzregal blitzblank putzen, die Gewürze alphabetisch sortieren, die Fliesenfugen mit Wattestäbchen reinigen oder ähnlich wichtige Aufgaben; endlich was erledigt!

Aber so ist es jetzt gar nicht: wir haben alle drei – Krise hin oder her – keinen natürlichen, intrinsisch in uns wohnenden Bock auf putzen. Und heute auch nichts dringend Wichtigeres zu tun. Wir könnten das Putzen auch ohne weiteres noch 2-3 Wochen rausschieben, wäre sicher auch kein Problem. Aber mit wem ich auch heute spreche: heute wird geputzt!

Können wir unser soziales Zusammengehörigkeitsgefühl trotz social distancing durch gemeinsame zeitgleiche Aktivitäten stärken? Wenn wir schon nicht rausgehen können und mit den anderen sein können, dann machen wir doch jeder bei sich das selbe und reden drüber.

Also Plan:
Ich: zwei Bäder putzen, Bettwäsche wechseln, Wäsche waschen
Der liebe Gatte: Boden aufwaschen Wäsche aufhängen
Der Teenager: Staubsaugen, eigenes Zimmer vom Müll, Speiseresten und Wäschebergen befreien

Hat zwar den ganzen Nachmittag gedauert, aber wirklich gut geklappt. Ich bin sicher, dass die Aktion unser kleinfamiliäres Zusammengehörigkeitsgefühl direkt gestärkt hat. Und wir haben es ganz friktionsfrei gemanagt.

Und bei den Telefonaten mit Freundinnen und erweiterter Family kommt wirklich wieder mehr von dieser Verbundenheit: „ah, du hast heute geputzt! Ja, ich auch…….“

und neben Zusammenhalt noch ein Aspekt direkt aus diesem neuen Biedermeier. Wir besinnen uns auf das, was wir hier im eigenen Bereich kontrollieren können. Endlich mal wieder Kontrolle über das Umfeld.

Und dann habe ich ja heute auch noch eine Verabredung mit zwei Freundinnen: wir setzen uns via Skype zusammen, machen uns ein Flascherl Prosecco auf und haben es nett miteinander. Es ist eigentlich gar nicht soviel anders wie normal. Bei mir zu Hause funktioniert sogar der Kellner-Service einwandfrei!

Seien wir gespannt, wie das noch weiter geht.

Bis morgen hier in diesem Blog, stay well and stay tuned!

 

Foto: privat, 2005